Musik CD: bachCage - francescoTristano E-Mail

Francesco Tristano 
bachCage
Die Unterschiede zwischen Johann Sebastian Bach und John Cage liegen auf der Hand. So offensichtlich sind sie, dass man meinen könnte, Tristano habe sich bewusst für ein kontrastreiches Albumprogramm entschieden.  

Zum Teil stimmt das auch. Bloß, dass der Künstler auch in diesem Fall nicht die Provokation um ihrer selbst willen gesucht hat. Vielmehr ist dieses Album etwas für den zweiten oder dritten Blick. Im Vordergrund steht Tristanos eigenwilliger und sehr persönlicher Umgang mit den musikalischen Wegbereitern Bach und Cage. Sein Bach ist bei aller Genauigkeit der Interpretation lebendig und klingt auffällig drahtig und perkussiv. Daran hat sicherlich auch der metallische, mitunter harte Klang der Aufnahme seinen Anteil. Die Mitarbeit von Produktions-partner Moritz von Oswald kommt bei Tristanos Cage-Einspielungen noch deutlicher zum Tragen. Auf Präparation des Instruments wird zugunsten von Nachbearbeitungen per Studiotechnik verzichtet. Von Oswald und Tristano gehen hierbei subtil, aber sehr effizient zu Werke. Etwa Tristanos träumerische Inter-pretation von John Cages In a landscape erinnert im Klang von Ferne an Gamelan Musik. 

Die Interludes
Die Interludes von Tristano selbst wirken durch gezielten Einsatz von Effekthall entrückt und körperlos. Und dem abschließenden Bach Menuet II from French Suite n. 1 wurde durch Filtertechnik der Klang einer Spieluhr verliehen. Und ein weiterer, tieferer Aspekt kommt bei diesem Album zum Tragen. Denn mit seiner subjektiven Auswahl der Stücke lässt Francesco Tristano Bach und Cage organisch ineinander fließen, verwischt Grenzen und stellt Gemeinsamkeiten heraus. Die Meister verbindet ein mathematisch orientierter Kompositionsansatz. Tristanos Stückauswahl und deren, zum Teil auch live schon erprobte Folge, basiert auf tonalen Übereinstimmungen, auf zyklischen Strukturen oder der polyphonen Anlage als Duette. Darüber hinaus findet Tristano jedoch auch eine, durch eigene Kompositionen vermittelte, spirituelle Gemeinsamkeit der beiden Komponisten. Eine Abstraktion jenseits klassischer Systematik und romantischer Narrativität. Nicht zuletzt darin sieht er die Aktualität von Bach und Cage begründet. Vielleicht ist Tristano einer der ersten Vertreter einer neuen Generation von Musikern, die keiner Schule mehr angehören. Musiker, die alles wissen und alles beherrschen, um es dann im entscheidenden Moment wieder loszulassen. Diese Generation nimmt es als gegeben hin, dass praktisch das gesamte Repertoire jemals aufgenommener Musik per Internet zur Verfügung steht. Die unterschiedlichsten Musiken stehen dekontextualisiert und gleichsam demokratisch nebeneinander. Das mag verwirren, aber es erlaubt einen frischen, unbelasteten Blick auf das Vorhandene. Und Künstler wie Francesco Tristano können es sich zur Aufgabe machen, neue Zusammenhänge herzustellen und neuen Sinn zu stiften.

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Francesco Tristano, BachCage photocredit by Matthew Stansfield 
 
Francesco Tristano
Dass ein junger Musiker und Komponist gleichzeitig sowohl in der Clubszene als auch in klassischen Konzerthäusern für Aufregung sorgt, dürfte weltweit ein Novum sein. Ebenso neu ist es, dass Puristen aus dem Klassik- und dem Techno-Lager sich einig sind. Einig in ihrer Irritation über jemanden, der sich nicht an die Regeln hält. Francesco Tristano ist Irritation gewohnt. Wenn er mit seinem Trio Aufgang im Club Techno nach Noten spielt, dann ist das Publikum zunächst verunsichert. Irritiert sein mag auch der erfahrene Konzertbesucher und Klassikliebhaber, der zum ersten Mal erlebt, wie ein Pianist eine Eigenkomposition in ein Stück von Frescobaldi übergehen lässt. So als wäre er ein DJ. Die Unerschrockenheit, mit der der 29jährige Francesco Tristano Epochen und Stilistiken kombiniert und mitunter auch kollidieren lässt, mag auf Unverständnis stoßen. Wobei der gebürtige Luxemburger kein Provokateur im eigentlichen Sinn ist. Alles, was er tut, ist Ausdruck einer Offenheit, die keine Grenzen, keine Einengung duldet. Von Generationen klassischer Pianisten geprägte interpretatorische Konventionen – Tristano weiß um sie, aber er ignoriert sie. Sein künstlerisches Selbstverständnis fragt nicht nach Legitimierung. Wenn er etwa mit seinem dynamischen Spiel gefühlvoll in eigentlich strenger Barockmusik schwelgt, dann ist er radikal. Radikalität aber ist bei ihm kein Selbstzweck. Tristanos Talent steht außer Frage. Seine Technik ist überragend, sein Spiel ist virtuos, seine Interpretationen sind mutig und unkonventionell.

francesco_tristano230.jpgFrancesco Tristano, BachCage Cover small 

 

 

 

 

 

 

Niemals aber geriert er sich als reiner Klangstürmer. Seine Repertoirekenntnis in Barock, Klassik, Neuer Musik, Jazz oder Clubmusik korrespondiert mit seiner Erfahrung und seinen spielerischen Fähigkeiten. Tristanos Tun ist stets reflektiert und zeugt vom respektvollen Umgang mit Musik. Wobei der Pianist die Existenz stilistischer Grenzen schlicht leugnet. Francesco Tristano beginnt im Alter von fünf Jahren Klavier zu spielen. Mit 13 gibt er sein erstes Konzert mit eigenen Kompositionen. Später spielt er Tourneen als Solist oder mit hochkarätigen Orchestern, etwa dem Russischen Nationalorchester, dem Französischen Nationalorchester Lille oder dem Luxemburger Philharmonieorchester. Tristano gründet das Kammerensemble The New Bach Players, mit dem er auch als Dirigent auftritt. Mit dem Einsatz eines Steinway-Flügels und alter, vibratoloser Bögen auf modernen Streichinstrumenten bricht diese Formation bewusst mit den Konventionen der historischen Aufführungspraxis. An der Juilliard School in New York absolviert Tristano als einer der letzten Studenten eine Masterclass bei der Bach-Legende Rosalyn Tureck. Er durchläuft die Konservatorien in Brüssel, Riga, Paris und Luxemburg, sowie die Musikhochschule Kataloniens. 2004 gewinnt er den renommierten internationalen Pianistenpreis für zeitgenössische Musik im französischen Orléans. Bislang hat er elf Alben veröffentlicht, darunter von der Kritik hoch gelobte und mit diversen Auszeichnungen bedachte Einspielungen von Bachs Goldberg-Variationen sowie des pianistischen Gesamtwerks Luciano Berios. 2007 erscheint das Album Not for Piano, auf dem er mittels stilistischer Anleihen bei Klassik und Minimal Music eigene Versionen von Techno-Klassikern für Piano solo präsentiert. Aktuell kooperiert Tristano unter anderem mit Carl Craig, einem der Protagonisten der Detroit Techno Szene in zweiter Generation.


Künstlerhomepage www.francescotristano.de/
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Labelhomepage Deutsche Grammophon  www.deutschegrammophon.com/
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Francesco Tristano - LIVE

10.03.11 - Hamburg, Laeiszhalle "Technophonic"
14.03.11 - Berlin, Cookies, Yellow Lounge presenting:"bachCage"
11.04.11 - Munich, Allerheiligen Hofkirche "bachCage"
12.04.11 - Frankfurt a.M., Cocoon Club, Yellow Lounge presenting:"bachCage"
27.04.11 - Berlin, Radialsystem "bachCage"
28.04.11 - Dresden, Yellow Lounge presenting: "bachCage"
05.05.11 - Hamburg, Laeiszhalle, All-Bach piano recital
09.05.11 - Bottrop, Klavier-Festival Ruhr "bachCage"
13.05.11 - Leipzig, "bachCage"
27.05.11 - Hamburg, Laeiszhalle "Pop Art" Piano duett Francesco Tristano - Rami Khalifé
09.09.11 - Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, "bachCage"
05.11.11 - Echternach, Trifolion "Buxtehude"
11.11.11 - Luxembourg, Philharmonie Francesco Tristano/Orchestre Philharmonique


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Francesco Tristano - bachCage-Video auf youtube
http://www.youtube.com/watch?v=AFVMg4_1Eg4
 
Artist: Francesco Tristano
Album: bachCage
VÖ: 18.03.2011
Label: Deutsche Grammophon / Universal
Formate: CD sowie alle digitalen Formate 

 

Quelle: networking Media

Foto: Matthew Stansfield
 

 




































































































































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