Musik CD: Deutsche Grammophon - Miloš Karadaglic E-Mail

Miloš Karadaglic
Mediterráne - Eine Reise ans Mittelmeer
»Die Musik auf diesem Album ist ein Spiegel meiner Persönlichkeit: Sie erzählt dem Zuhörer, wer ich bin«, sagt der 28-jährige Gitarrist Miloš Karadaglic.  

Wie vielleicht von einem Bürger des kleinen, unruhigen Landes Montenegro zu erwarten, dessen Karriere durch die kühne Entscheidung begann, nach London umzusiedeln, kennzeichnet ihn eine außergewöhnliche Zielstrebigkeit. Miloš’ Liebesgeschichte mit der Gitarre nahm ihren Anfang, als er acht Jahre alt war und sein Vater ihm eine Aufnahme vorspielte, auf der Andrés Segovia ihn mit Albéniz’ Asturias verzauberte. Ausgerüstet mit der staubigen alten Gitarre der Familie, der ein paar Saiten fehlten, wurde er an einer speziellen Musikschule angemeldet, an der er innerhalb von sechs Monaten alles lernte, was seine Lehrer ihm beibringen konnten. Dank dieser raschen Fortschritte kam er in eine andere Klasse, in der nach der strengen Fernando-Sor-Methode unterrichtet wurde.

Schon mit neun Jahren gab Miloš sein erstes öffentliches Konzert, mit elf gewann er seinen ersten nationalen Wettbewerb und am gleichen Tag auch einen Gesangswettbewerb. Er avancierte zum Fernseh- und Rundfunkstar und besuchte Gitarren-Meisterklassen in Belgrad. Im Alter von 16 Jahren machte er schließlich seinen Kindheitstraum wahr und bewarb sich an der Royal Academy of Music in London um einen Studienplatz.

Als Miloš bei der Academy anrief, teilte man ihm mit, dass die Bewerbungsfrist für das kom-mende akademische Jahr in Kürze ablief. Während meine Eltern bei der Arbeit waren, filmte ich mich selbst beim Spielen meiner Lieblingsstücke, eines pro Tag, fünf Tage hintereinander, in unserem Wohnzimmer. Er bekam sein Stipendium. Ich hatte sehr viel Unterstützung von zu Hause und alle waren so stolz auf meinen Erfolg. Als ich schließlich in London ankam, hatte ich schreckliches Heimweh. Aber gleichzeitig war ich in dieser Institution plötzlich von den großartigsten Lehrern umgeben – ich war in der großen, weiten Welt angekommen. Und rasch hatte ich das Gefühl, als habe mir jemand Flügel verliehen, als könne ich fliegen.

Miloš Karadaglic


Der Teenager Miloš hatte sich John Williams zum Vorbild gewählt, mit Anfang 20 wurde dann Julian Bream seine Leitfigur. »Sein Klang und seine Technik waren ganz anders als meine, aber es war unwahrscheinlich bereichernd, sich seine Aufnahmen anzuhören, auf wirklich jeder Ebene. Er ist ein fantastischer Musiker . . . Als ich dann später den Julian Bream-Preis aus seinen eigenen Händen erhielt, war das eine unglaubliche Ehre.

Wenn er auf der Bühne steht, ist das für ihn fast wie ein Traum, sagt der Künstler. Hinterher kann ich mich nicht mehr an viele Details erinnern. Ich weiß nur, dass ich mich gut gefühlt habe, sehr energiegeladen und emotional. Jeden Tag versuche ich, neue Farben und Timbres zu finden. Die Farben und Timbres dieses Albums sind Ausdruck seines Wunsches, die Vielfalt der musikalischen Klangwelt zu vermitteln, in die er hineingeboren wurde, mit Einflüssen sowohl des östlichen wie westlichen Endes des Mittelmeers. Montenegro selbst, sagt er, ist ein Schmelztiegel der Kulturen, weshalb die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, auch so spannend und vielfältig ist.

Albéniz’ Asturias hat seinen Platz auf Miloš’ Debut-Album bei Deutsche Grammophon natür-lich nicht nur wegen Segovia, sondern auch weil dieses Stück für mich immer eine Herausforderung war, in welchem Alter ich es auch immer spielte – es erlaubt mir, meine Persönlichkeit bis ins Letzte auszudrücken. Sevilla ist so unglaublich mitreißend, dass ich danach immer tanzen will. Und immer wenn ich Granada spiele, fühlt es sich gleich von den ersten Tönen so an, als würde ich mich verlieben. Es erinnert mich an die Hitze und das Salz des Mittelmeers.

Viele der Stücke wurden ursprünglich für das Klavier geschrieben, doch auf der Gitarre klingen sie wunderbar natürlich. Von Granados’ Andaluza gab es bereits ein Arrangement für Gitarre, doch Miloš und sein Mentor Michael Lewin von der Londoner Royal Academy haben ihre eigene Fassung erstellt und auch Oriental des gleichen Komponisten für Gitarre bearbeitet. Miloš erklärt: Eine echte Herausforderung, denn während die Begleitung im Bass weich arpeggiert wird, kommt die Melodie in Terzen ganz oben dazu. Das alles in einer Gitarre zu vereinen, war eine spannende Sache.

Miloš Karadaglic


 
Miloš hat keine besondere persönliche Beziehung zu Griechenland, doch als ich Mikis Theodorakis’ Maientag hörte, rührte es mich zu Tränen. Es geht um politische Unruhen und den Verlust eines geliebten Menschen. Vor ein paar Jahren verlor mein Onkel seinen einzigen Sohn und ich möchte ihm dieses Stück widmen. Wenn ich es spiele, bin ich immer sehr aufgewühlt. Es spiegelt harte Zeiten, die mich zu einem großen Teil auch geprägt haben.

Das Werk, das den wohl größten Teil von Miloš’ eigener Geschichte reflektiert, ist die 1985 entstandene Suite Koyunbaba des italienischen Gitarristen und Komponisten Carlo Domeniconi: Ich habe sie zum ersten Mal kurz nach meiner Ankunft in London gehört. Mit ihrem türkischen Volksliedthema und ihrer magischen Klangwelt brachte sie all jene Erinnerungen und Plätze zu mir zurück, die ich hinter mir gelassen hatte. Es ist jedesmal anders, wenn ich die Suite spiele, wie das Meer selbst, manchmal ruhig, manchmal sturmbewegt .

Stücke von Francisco Tárrega, dem Vater der modernen spanischen Gitarre, waren für dieses Album natürlich unabdingbar. Sie erzählen uns so viel über diesen faszinierenden Kasten mit sechs Saiten, sagt er lächelnd und fügt hinzu: Von den berühmten Recuerdos de la Alhambra bis zu Lágrima und Capricho árabe sind alle Werke auf diesem Album so klar und magisch. Sie sprechen den Klassikkenner wie auch den Mann auf der Straße gleichermaßen an. Und darin liegt die Schönheit und das wahre Wesen der klassischen Gitarre.

Konzerte
• 22.07.2011 Elmau / Oberbayern (Deutschland), Schloss Elmau
• 25.07.2011 Elmau / Oberbayern (Deutschland), Schloss Elmau
• 28.07.2011 Davos (Schweiz), Kirche Davos Glaris
• 01.08.2011 Davos (Schweiz), Galerie Eule-Art
• 24.08.2011 Thun (Schweiz), Schloss Schadau
• 01.12.2011 Munich (Deutschland), Allerheiligen-Hofkirche
• 03.12.2011 Hamburg (Deutschland), Laeiszhalle
• 09.12.2011 Cologne (Deutschland), Kulturkirche
• 10.12.2011 Frankfurt am Main (Deutschland), Dreifaltigkeitskirche
• 11.12.2011 Stuttgart (Deutschland), Liederhalle

Miloš Karadaglic
Mediterráne - Eine Reise ans Mittelmeer

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Quelle und Fotos: networking Media
Deutsche Grammophon
Photocredit_Olaf_Heine_

 




































































































































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