Diättrends 2012: „Alte Versager in neuem Gewand.“
Diäten
machen dick & krank!
Wissenschaftlich gilt als gesichert: Diäten
machen dick und krank - und sie können zu Essstörungen führen.
Foto:
Uwe Knop
Trotzdem wimmelt es alle Jahre wieder von
Abnehmtipps und „neuen Diätrevolutionen“. Doch stets haben alle Abspeckkuren
eines gemeinsam: große Versprechen, k(l)eine Wirkung. Denn jede künstliche
Hungerkur, egal wie glamourös oder wissenschaftlich sie auch beworben wird,
wirkt über ein und dasselbe Prinzip: Die Diätler müssen weniger essen, als sie
benötigen, damit der Körper seine Reserven aufbraucht. Und in diesem Stadium der
„negativen Energiebilanz“ verliert man Gewicht. Doch dann folgt meist das
schwere Erbe: „Diäten sind gesundheitsgefährdende Volksverdummung. Die
Abnehmwilligen werden an der kurzen Kalorien-Leine gehalten, sodass der
Gewichtsverlust durch eine künstliche Hungerkur erzwungen wird. Entlässt man sie
nach der Diät wieder ins „normale Essleben“, dann holt sich der Körper sein
natürliches Gewicht zurück“, erklärt der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop,
„und dann kommen oft auch die enttäuschten Diätler wieder zurück oder probieren
eine neue Abspeckkur - meist mit höherem Ausgangsgewicht.“
Die Gründe dafür sind inzwischen bekannt - der Nahrungsmangel setzt ein
körpereigenes „Energiesparprogramm“ in Gang, das zum JoJo-Effekt führt: Nach der
zeitlich begrenzten Diät sorgt ein normales Essverhalten schnell wieder für
frische Fettpfunde. Knop rät grundsätzlich von Diäten ab, nachdem er für das
Buch HUNGER & LUST mehr als 300 aktuelle Studienergebnisse aus 2007-2011
kritisch analysiert hat (1). Stattdessen empfiehlt er, das Entfettungsvorhaben
schonungslos zu hinterfragen, bevor man sich der „Lebensaufgabe Abnehmen“
stellt:
1. Warum raten Sie von Diäten ab ?
Knop: Diäten
versprechen Schlankheit - machen aber langfristig dick und krank und können zu
Essstörungen führen. Mittlerweile ist klar: Diäten führen kurzfristig zum Abbau
von Fett- und Muskelmasse. Aber nach Beendigung bewirken die Abspeckkuren genau
das Gegenteil: Man wird prompt wieder schwerer - aufgrund der schnellen
Fetteinlagerung. Das ist der bekannte JoJo-Effekt. Damit schützt sich der Körper
vor der nächsten Hungersnot. Außerdem kann es bereits während der Diät zum
„Entzugssymptom Heißhungerattacke“ kommen, die in unkontrollierte Fressorgien
mündet.
2. Warum sprießen denn immer neue Diäten wie Pilze aus dem Boden
?
Diäten sind ein Milliarden-€-schwerer (Jahr)Markt, auf dem mit den
Wünschen und Hoffnungen vieler Frauen gespielt wird. Wenn irgendeine der
bisherigen Abspeckkuren dauerhaft schlank machen würde, dann gäbe es nicht alle
paar Monate neue Diäten. Daran sieht man: Diäten sind nutzlos. Außer für die
Anbieter, die immer wieder neue Entfettungskuren anpreisen können, weil die
Vorherigen die Diätler noch dicker gemacht haben. So einfach erhält man sich
seine Zielgruppe. Eigentlich müsste jedem aufgrund der dauernd neuen
„revolutionären Diäten“ inzwischen klar sein: Irgendetwas stimmt hier nicht.
Daher lassen Sie sich Ihrer Gesundheit zuliebe nicht mit unhaltbaren
Schlankversprechen locken - auch nicht von den kommenden Trenddiäten 2012, denn
das sind nur die alten Versager in neuem Gewand.
3. Was sollen denn diejenigen nun machen, die abnehmen möchten
?
Die wichtigste Frage, die sich jeder gesunde Abnehmwillige vor
Beginn einer Diät grundehrlich beantworten sollte, lautet: „Warum bin ich so
schwer?“ Oftmals ist nämlich nicht das biologisch notwendige Essen zur
Lebenserhaltung die Ursache der überflüssigen Pfunde, sondern Probleme im
Alltag, die zu hungerfreiem Essen führen. Da ist eine Diät genau der falsche
Weg.
4. Was
meinen Sie mit hungerfreiem Essen ?
Wenn Sie beispielsweise aus
eingefahrener Routine frühstücken, weil es ja so gesund sein soll. Oder aus
Langeweile, Frust oder Einsamkeit Leckereien in sich hineinstopfen. Auch Stress
mit Völlerei zu „bekämpfen“ - all das ist hungerfreies Essen. Hier gilt die
erste Frage nach dem „Warum esse ich, obwohl ich keinen echten Hunger habe?“
Seien Sie daher achtsam beim Essen und enttarnen Sie die Auslöser dieses
„kompensatorischen“, des „Seele-fütternden“ Essens. Beseitigen Sie zuerst diese
Auslöser, bevor Sie überhaupt an eine Diät denken.
5. Also erst die Gründe herausfinden, warum man isst
?
Genau. Gehen Sie in sich und durchleuchten Sie Ihr Leben ohne
Scham und Scheu: Wo ist der Stress, wo ist die Langeweile, wo sind die Routinen,
die mich ohne Hunger essen lassen? Aus welchem Grund habe ich mir einen
emotionalen Schutzpanzer aus Fett angefuttert? Wann und warum tröste ich meine
Seele mit Essen? Da sollten Sie ansetzen, denn das setzt bei Ihnen an - und zwar
unnatürliche Pfunde. Eliminieren Sie die Ursachen des hungerfreien Essens und
einige Kilos verschwinden dann sicher von ganz allein.
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6. Und was ist mit denen, die wirklich nur essen, wenn sie echten
Hunger haben, aber trotzdem abnehmen möchten ?
Gerade diese Menschen
sollten Ihr Vorhaben kritisch hinterfragen! Denn jeder Körper hat einen
sogenannten Setpoint, das ist sein persönliches Wohlfühlgewicht, das maßgeblich
durch die Gene festgelegt wird. Dieses individuelle Idealgewicht verteidigt Ihr
Körper. Warum also wollen Sie abnehmen? Wenn Sie sich beispielsweise aus
optischen Gründen von Ihrem natürlichen Setpoint runterhungern wollen, also etwa
um dem künstlichen Körperideal unserer Gesellschaft nahe zu kommen, dann machen
Sie sich auf einen lebenslangen Kampf gegen Ihren eigenen Körper bereit. Er wird
sich mit allen Mitteln gegen die Zwangsreduzierung seines Wohlfühlgewichts
wehren.
7. Wenn jetzt aber Mann oder Frau trotzdem den „guten Vorsatz“
getroffen hat „Ich will abnehmen!“ Was sollen sie machen ?
Ist die
Entscheidung für den Kilokampf gefallen, dann ist es völlig egal, mit welcher
Diät Sie abnehmen. Große Studienanalysen haben gezeigt: Wichtig ist nur die
negative Energiebilanz. Sie müssen also nur weniger essen, als Ihr Körper
verbraucht. Das bedeutet auch: Ein freies Essverhalten ist nicht mehr möglich,
Sie müssen Ihre Nahrungsaufnahme kontrollieren. Was Sie wann am Tag essen, ist
egal. Es muss einfach nur zu wenig sein - hier hilft auch mehr Bewegung,
insbesondere im Alltag. Aber seien Sie sich ernsthaft bewusst: Sie treten
entweder eine schwere Lebensaufgabe an oder Sie werden nach Ende der Diät bei
gewohntem Essverhalten wieder zunehmen - und wahrscheinlich mehr wiegen als
vorher. Daher sollte die Entscheidung, den natürlichen Kilos den Kampf
anzusagen, wohl überlegt sein.
8. Aber 60 Prozent der Deutschen sind doch zu dick. Ist es denn
grundsätzlich nicht besser abzunehmen, wenn man „Übergewicht“ hat - auch wenn es
das körperliche Wohlfühlgewicht ist ?
Die Frage vorher lautet: Was
bedeutet denn überhaupt „zu dick“? Die zitierten 60 Prozent und alle bekannten
Gewichtszahlen basieren auf dem BMI, dem Body Mass Index. Doch dieser
Mensch-Bemessungsmaßstab hat derart viele Schwachstellen, dass er weder
Erkenntnisse zu Gesundheit oder Krankheit liefert, noch Körperformen
unterscheidet. Der Boxweltmeister Vitali Klitschko hat beispielsweise einen BMI
an der Grenze zur „Fettleibigkeit“ - da sehen Sie schon eine Schwäche: Der BMI
unterscheidet nicht nach Fett- und Muskelmasse. Frau Dr. Olias vom Deutschen
Institut für Ernährungsforschung DIfE erkannte bereits 2010: Der BMI „hat
ausgedient“. Also vergessen Sie die Zahlen zur gerne propagierten
„Übergewichtsepidemie“ - das ist nicht mehr als statistische Panikmache.
9. Aber dick sein ist doch ungesund, oder etwa nicht
?
Auch hier hat die Statistik Interessantes zu bieten: Aktuelle
Analysen zahlreicher wissenschaftlicher Studien zeigen unter anderem, dass der
als „Übergewicht“ bezeichnete BMI-Bereich zwischen 25 und 30 das längste Leben
garantiert - und eine Adipositas Grad I, also BMI 30 bis 35, keine erhöhte
Sterblichkeit zur Folge hat (2,3). Wie immer in der Ernährungswissenschaft sind
auch das nur Zahlenspielereien ohne Ursache-Wirkungs-Beweis. Aber für die
statistiktreuen Übergewichts-Propagandisten heißt das im Umkehrschluss: Wer die
Menschen aufgrund dieser Zahlen als „zu dick“ abstempelt und zum Abnehmen
nötigt, der bringt sie wohlmöglich früher ins Grab. Ein perverses Paradox, das
insbesondere der milliardenschweren Diätindustrie zu Gute kommt.
Gesundheitsminister Bahr sollte den BMI und die darauf basierende Propaganda
abschaffen – zum Wohle der Bundesbürger !
10. Was raten Sie statt BMI ?
Wichtiger als unspezifische
BMI-Werte sind die subjektiven Werte Zufriedenheit und Wohlfühlfaktor. Wenn Sie
mit sich zufrieden sind, Ihr Leben genießen und sich gesund und wohl fühlen,
dann sollten Sie sich nicht von unpersönlichen Messgrößen dazu drängen lassen,
an Ihrem natürlichen Gewicht herumzudrehen - es könnte Ihrem Leben nicht nur
viel Freude nehmen, sondern es sogar verkürzen! Vertrauen Sie beim Essen daher
besser auf Ihre Gefühle Hunger und Lust und nicht auf Ernährungsregeln oder gar
Diäten.
11. Wie lässt sich ein echtes Hungergefühl und damit ein natürliches
Essverhalten wieder antrainieren?
Da gibt es zwei Tipps. Erstens:
Vergessen Sie alles, was Sie über gesunde Ernährung gelernt haben. Dieses
pseudowissenschaftliche Halbwissen stört oft nur den Instinkt, also den Hunger,
bei der Auswahl der für Sie persönlich gesunden Lebensmittel. Zweitens: Reizen
Sie Ihren biologischen Hunger aus, bis sie ihn wieder richtig spüren. Also essen
Sie nicht nach Uhrzeit oder Gewohnheiten, sondern warten Sie. Wenn Sie zum
Beispiel morgens keinen Hunger haben, dann lassen Sie es, auch wenn das
Frühstück häufig als wichtigste Mahlzeit des Tages propagiert wird. Kein Mensch
braucht ein Frühstück ohne Hunger. Wenn man seinen echten Hunger dann wieder
kennt, dann spürt man auch den Unterscheid zwischen echtem Hunger und dem
kompensatorischen, also dem „seelischem Hunger“, der beispielsweise dazu führt,
dass man aus Langeweile, Stress oder eingefahrener Routine isst. Das sollte man
meiden, denn das kann unnatürlich dick machen.
12. Letzte Frage: Wie isst man denn Ihrer Meinung nach grundsätzlich
gesund und richtig ?
Vertrauen Sie Ihren Gefühlen Hunger und Lust,
anstatt auf Ernährungsregeln oder -päpste zu hören. Der Nutzen von Regeln wie
fünf Mal am Tag Obst und Gemüse zu essen, täglich zwei Liter Wasser zu trinken
oder weniger Fleisch zu essen ist nicht belegt – es ist nicht mehr als eine
Vermutung. Meine kritische Auswertung von über 300 aktuellen Studienergebnissen
der Jahre 2007-11 hat ergeben: Derartige „Volksempfehlungen“ sind nur
statistische Spielereien ohne Beweiskraft. Kein gesunder Mensch braucht diese
Ernährungswissenschaft und daraus resultierende Regeln. Es kommt generell
weniger darauf an, was Sie essen, wenn Sie Hunger haben, sondern dass Sie sich
dabei wohl fühlen und genießen, bis Sie satt sind. Nur Ihr Körper weiß am
besten, was gutes Essen für Sie ist, sonst niemand.
(1) Leseprobe „HUNGER & LUST“ -> Diäten machen dick & krank
(2,3) Deutsches Ärzteblatt -> Morbidität und Mortalität bei Übergewicht und Adipositas im Erwachsenenalter: Eine systematische Übersicht /Deutsches Ärzteblatt -> Studie: Übergewicht verlängert das Leben
Quelle und bilder www.echte-esser.de
Uwe
Knop
Postfach 11 66
65701 Hofheim a.Ts.
Website: www.echte-esser.de
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